Schatten ist keine unsichtbare Käseglocke
Es gibt diesen weit verbreiteten Irrglauben, dass unter dem Sonnenschirm eine Art unsichtbare Käseglocke entsteht, durch die keine UV-Strahlung mehr vordringt. Wäre schön, stimmt aber nur teilweise. Ein guter Sonnenschirm blockt zwar den direkten Sonnenstrahl, der senkrecht von oben kommt, aber UV-Strahlung ist ein notorischer Umwege-Fan. Sie wird an Wolken, hellen Wänden, Wasseroberflächen und sogar am hellen Bodenbelag der Terrasse reflektiert und gestreut, und ein gutes Stück davon findet trotzdem seinen Weg unter den Schirm, von der Seite oder von unten.

UPF: Die eigentlich entscheidende Zahl
Wie schon beim Thema Schirmauswahl angesprochen, gibt der UPF-Wert (Ultraviolet Protection Factor) an, wie viel UV-Strahlung ein Stoff durchlässt. Ein Wert von UPF 50 bedeutet, dass ungefähr ein Fünfzigstel der Strahlung durchdringt, was einem Schutz von etwa 98 Prozent entspricht. Klingt beeindruckend, heißt aber im Umkehrschluss: Auch bei bester Bespannung kommt noch ein kleiner Rest an UV-Strahlung durch den Stoff selbst. Bei dünnen, hellen oder schon ausgeblichenen Stoffen kann dieser Anteil deutlich höher liegen, denn die UV-Schutzwirkung nimmt mit der Zeit und der Sonneneinstrahlung tendenziell ab.
Dazu kommt: Ein Großteil der UV-Strahlung, die im Schatten überhaupt noch ankommt, stammt gar nicht vom direkten Durchlass durch den Stoff, sondern von der Streustrahlung aus der Umgebung, die seitlich unter den Schirmrand kriecht. Deswegen bleibt selbst im dichtesten Schatten ein spürbarer Anteil der Himmelsstrahlung übrig, je nach Umgebung und Tageszeit meist irgendwo zwischen einem Drittel und der Hälfte der Strahlung, die man ungeschützt in der Sonne abbekommen würde.

Wolken sind auch keine Lösung
Wer bei bewölktem Himmel auf Sonnenschutz verzichtet, macht im Prinzip denselben Denkfehler nur eine Etage höher. Wolken schwächen die UV-Strahlung ab, blockieren sie aber keineswegs vollständig, und bei lockerer, dünner Bewölkung kann die Strahlung durch Streueffekte stellenweise sogar kurzzeitig stärker ankommen als bei wolkenlosem Himmel. Der klassische Sonnenbrand am bewölkten Tag ist also kein Mythos, sondern gut dokumentierte Physik.
Was das für den Balkon-Alltag bedeutet
Das heißt nicht, dass der Sonnenschirm nutzlos wäre, ganz im Gegenteil: Er reduziert die auftreffende UV-Strahlung erheblich und ist der wichtigste erste Baustein beim Sonnenschutz. Aber er ersetzt eben nicht die restlichen Bausteine, sondern ergänzt sie. Wer lange im Schatten des Balkonschirms sitzt, sollte trotzdem an Sonnencreme denken, vor allem an Armen, Beinen und Gesicht, die auch im Schatten der seitlichen Streustrahlung ausgesetzt sind. Besonders in den Stunden um die Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht und die UV-Intensität am größten ist, summiert sich auch die reduzierte Strahlung im Schatten über die Zeit zu einer relevanten Dosis.
- UPF-Wert des Schirmstoffs beachten, im Idealfall 50 oder höher
- Auch im Schatten Sonnencreme auftragen, besonders an Armen und Gesicht
- Helle, reflektierende Untergründe und Wände erhöhen die Streustrahlung im Schatten
- Bewölkter Himmel ist kein verlässlicher UV-Schutz
- Rund um die Mittagszeit ist die UV-Belastung auch im Schatten am höchsten
- Ausgeblichene, alte Schirmstoffe verlieren mit der Zeit an Schutzwirkung
Fazit: Schatten plus, nicht Schatten statt
Der Sonnenschirm auf dem Balkon ist ein hervorragender Verbündeter im Kampf gegen zu viel Sonne, aber eben kein Unsichtbarkeitsumhang gegen UV-Strahlung. Wer Schatten, Sonnencreme und ein bisschen gesunden Menschenverstand bei der Tageszeit kombiniert, sitzt am Ende tatsächlich sicher im Schatten, und nicht nur gefühlt.